Die richtige Vorbereitung und Durchführung von Bankengesprächen bei Existenzgründungen

14.02.2017

Wie Sie sich als zukünftiger Existenzgründer perfekt auf das wichtige Bankengespräch vorbereiten und es dann optimal durchführen.

Stellen Sie sich vor, Sie haben die perfekte Geschäftsidee. Alles durchdacht, der durchschlagende Erfolg nur eine Frage der Zeit. Und dann – nichts! Es gibt kein Geld von der Bank. Grund: Das wichtige Gespräch mit dem Kreditgeber wurde unterschätzt und nicht richtig vorbereitet. Denn während sich vor allem die Gründungszuschüsse der Agentur für Arbeit recht komplikationslos erwirken lassen, stellen die Finanzierungen durch Banken weitaus höhere Ansprüche an den potenziellen Existenzgründer. Und deshalb ist die Finanzierung der Geschäftsidee oftmals eine der größten Hürden für die geplante Existenzgründung.
Erhält der Gründer kein Darlehen, liegt das zu 46 Prozent daran, dass der Gründer beim Bankengespräch kein ausgereiftes Unternehmenskonzept präsentieren konnte. Zu 31% ist der Grund, dass er nicht sicher genug auftrat. Nur wer seine Idee, sein unternehmerisches Konzept und vor allem auch sich selbst gut vermarkten kann, hat im Bankengespräch eine echte Chance auf die erforderliche Finanzierung.

Vorbereitung ist die halbe Miete
Zuerst einmal muss die richtige Hausbank gefunden werden. Machen Sie sich schlau über etwaige Beurteilungskriterien, vergleichen Sie Konditionen und nutzen Sie ruhig auch bestehende private oder geschäftliche Kontakte.

Unser Tipp: Beschränken Sie sich auf zwei bis drei Banken, die in die engere Wahl kommen. Besteht dann seitens der Bank ein generelles Interesse an der Finanzierung des Gründungsvorhabens, gilt es, dem zuständigen Bankpartner das Existenzgründungsexposé zuzusenden und sich richtig auf das kommende persönliche Gespräch vorzubereiten.

Ziel hierbei ist ein ein professionelles, souveränes und sicheres Auftreten. Und absolute Offenheit – schließlich geht es um das Zustandekommen einer Geschäftsbeziehung. Die Bank nimmt hier eine beratende Funktion ein, muss sich aber natürlich auch selbst gegen etwaige Risiken absichern.
Treten Sie zuversichtlich, selbstbewusst – aber nicht arrogant! – und authentisch auf! Und beschränken Sie sich auf das Wesentliche. Darüber hinaus sollten Sie alle notwendigen Unterlagen in einem Ordner gesammelt vorliegen haben. Dies schafft nicht nur Übersichtlichkeit, sondern vermittelt außerdem der Bank gegenüber Professionalität. Empfehlenswert sind auch Kopien der wichtigsten Unterlagen, die bei der Bank verbleiben können.

Sicherheiten für die Bank
Bei dem anstehenden Bankengespräch geht es dann in erster Linie darum, dem Kundenberater der Bank ein plausibles Konzept vorzulegen, wie das geliehene Geld zurückgezahlt werden soll und welche Sicherheiten im Gegenzug gestellt werden können.
Als eine der wesentlichen Sicherheiten für das Vorhaben gilt – neben den finanziellen Verhältnissen – übrigens die fachliche und kaufmännische Qualifikation des Gründers. Aus diesem Grund verlangen die Kreditinstitute – über die grundlegenden Dokumente wie Personalausweis, Gewerbeanmeldung und Handelsregisterauszug hinaus, stets auch einen Lebenslauf und eine Selbstauskunft der beteiligten Personen. Je ausführlicher diese sind, umso besser.

Das enthält die Selbstauskunft
Im Wesentlichen enthält eine Selbstauskunft fünf Themengebiete: persönliche Angaben (Name, Geburtsdaten, Adresse, Familienstand, Angaben des Ehepartners und Bankverbindungen), Einnahmen Lohn, Einnahmen des Ehepartners, Einkünfte aus Grundvermögen, Kapitalvermögen etc.), Ausgaben (Miete, private Kranken- und Sachversicherungen, Bauspar- und Lebensversicherungsbeiträge, private Zins- und Tilgungsleistungen, private Leasingraten, Lebenshaltungskosten etc.), Vermögen (Bankguthaben, Wertpapiere, Bausparguthaben etc.) sowie sonstige kurzfristige wie langfristige Verbindlichkeiten.

Deshalb sollten Sie folgende Unterlagen für die Selbstauskunft beim Bankengespräch parat haben:

  • Einnahmen: Lohn- und Gehaltsabrechnungen, Einkommensteuererklärung/ -bescheid, Aufstellung der Mieteinnahmen/Mietvertrag, aktuelle Depotauszüge, aktuelle Jahresabschlüsse/BWA
  • Ausgaben: Kredit- und Darlehensverträge, Leasingverträge, aktuelle Kontoauszüge, Versicherungspolicen
  • Vermögen: Grundbuchauszüge bzw. Gutachten, aktuelle Depot- und Kontoauszüge, Bestätigung der Fondsgesellschaften, Bestätigung der Rückkaufwerte, Gesellschaftsvertäge, Bilanzen
  • Verbindlichkeiten: Kredit- und Darlehensverträge, Kontoauszüge, Kopie Bürgschaftserklärung

Wichtig: Achten Sie vor allem darauf, dass Sie alle benötigten Dokumente nicht nur dabei haben, sondern sie auch sofort finden!
Darüber hinaus verlangen die meisten Banken den Businessplan des Gründers, da sich in diesem die wichtigsten Punkte zur Finanzierung befinden. Gehen Sie in diesen Termin auch ohne jeglichen Zeitdruck. Denn nur wer gelassen und gut vorbereitet in das so wichtige Bankengespräch geht, ist auch erfolgreich

Auszug aus der Checkliste zur Vorbereitung auf das Bankengespräch

  • Beschreibung des Gründungsvorhabens: Geschäftsidee, Preisgestaltung, Besonderheiten etc.
  • Persönliche Qualifikation: Ihre Stärken, Schwächen, Motivation etc.
  • Markt: Kunden, Einzugsgebiet, Absatzstrategien etc.
  • Organisation: Firmenstandort, Rechtsform etc.
  • Notwendige Investitionen.
  • Finanzierung: Eigenkapital, Fremdkapital, Förderprogramme etc.
  • Liquidität und Rentabilität: Kostenplan, Erträge etc.

Die vollständige Checkliste stellen wir Ihnen hier als PDF zur Verfügung.

Banken vergeben keine Kredite an Geschäftsideen, sondern an Personen. Durch einen professionellen Auftritt betreiben Sie sozusagen „Bonitätsmarketing”. Seien Sie deshalb zuversichtlich, selbstbewusst, authentisch und beschränken Sie sich auf das Wesentliche.

Das Bankengespräch ist erfolgreicher Abschluss oder vorzeitiges Ende Ihrer Existenzgründung.

Mit einer kompetenten Gründungsbegleitung durch einen erfahrenen und umsichtigen Fachmann erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit einer Zusage und verbessern nicht selten Ihre Finanzierungskonditionen.

 
 

Artikel vom 07.07.2014, aktualisiert am 14.02.2017

  • Melzer, Boris

    Boris Melzer

    Dipl.-Betriebswirt (BA)
    MBA (International Taxation)
    Steuerberater
    Partner

    Beratungsschwerpunkte

    • Unternehmensnachfolge
    • Internationales Steuerrecht
    • Betriebswirtschaftliche Beratung
    • Transaktionsberatung

    Lehraufträge und Beiratstätigkeiten

    • Lehrauftrag für Internationales Steuerrecht an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen.
    • Mitglied des Beirates der Sparkasse Offenburg/Ortenau
  • Klumpp, Arnold

    Arnold Klumpp

    Steuerberater
    Partner
    Fachberater für Vermögens- und Finanzplanung (DStV e. V.)

    Beratungsschwerpunkte

    • Finanz- und Vermögensplanung
    • Private Steuern
    • Betriebswirtschaftliche Beratung
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