Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung

08.02.2017

Zahlen Sie zu viel oder zu wenig?

Maßgeblich für die Beitragshöhe ist der Steuerbescheid.

Freiwillig gesetzlich Versicherte haben ihrer Krankenkasse zur Feststellung der Höhe des Beitrags in der Regel ihren aktuellen Steuerbescheid einzureichen.

Auf dessen Grundlage wird dann von der Krankenkasse der Beitrag festgestellt – mit Auswirkung ab dem Folgemonat bis der nächste Steuerbescheid vorgelegt wird.

Das bedeutet, die bisherigen Zahlungen werden nicht rückwirkend angepasst, auch wenn der Steuerbescheid für diesen Zeitraum ergangen ist. Wird beispielsweise der Einkommensteuerbescheid 2015 im Juni 2017 bei der Krankenkasse eingereicht , erfolgt die neue Beitragseinstufung zum 01. Juli 2017. Die Veränderungen Ihres Einkommens wirken sich deshalb erst mit größeren Verzögerungen aus. Grundsätzlich darf die Krankenkasse zu viel gezahlte Beträge weder erstatten, noch Nachforderungen stellen.

Davon gibt es Ausnahmen:

  • Existenzgründer haben bei Aufnahme ihrer selbständigen Tätigkeit noch keinen Steuerbescheid für diese Einkünfte vorliegen. Deshalb schätzt die Krankenkasse den Beitrag. Nach Einreichung des ersten Steuerbescheids für die Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb oder der freiberuflichen Tätigkeit wird abgerechnet.
  • Bei verspäteter Vorlage des Steuerbescheids darf die Krankenkasse nachfordern, wenn das Einkommen des Versicherten gestiegen ist. Reicht er beispielsweise den Bescheid erst im Dezember 2016 ein, obwohl dieser im März 2016 bereits bei ihm eingegagen ist, kann die Kasse ab April 2016 die Beiträge anpassen und somit auch eine Nachzahlung verlangen.

Wie entwickeln sich die Leistungen?
Auf Ihre Medikation hat die Höhe des Beitrags, den Sie monatlich bezahlen, keinen Einfluss. Ihr Arzt verschreibt Ihnen einkommensunabhängig Ihre Tabletten! Sollten Sie Krankengeld mitversichert haben, ist dieses sehr wohl von Ihrer Einstufung abhängig und kann dann im schlimmsten Fall auch zu niedrig ausfallen und die Existenz bedrohen. Genauso kann der Fall eintreten, dass der Versicherte einen monatlichen Beitrag bezahlt, der absolut nichts mit seiner derzeitigen Leistungsfähigkeit und Liquiditätssituation zu tun hat. Das gute Ergebnis aus dem letzten Steuerbescheid, das Grundlage hierfür war, ist heute bereits nicht mehr da, es werden evtl. sogar Verluste gemacht.

Was können Sie tun?
Die rechtzeitige Erstellung des Jahresabschlusses mit den entsprechenden Steuererklärungen zeigt Ihnen recht früh, wo die Reise hingeht. Ist ihr Einkommen gestiegen, führt dies nach Abgabe des neuen Einkommensteuerbescheids zu höheren Beiträgen und ggf. Leistungen. Sind die Zahlen schlechter als im Vorjahr, sollten Sie ebenfalls handeln, um den Beitrag entsprechend zu senken.

Außerdem sollten sie mit Ihrem Steuerberater besprechen, welche gesetzlichen Maßnahmen mit Einfluss auf Ihr Einkommen Sie bei der Erstellung des Jahresabschlusses umsetzen können. Auch dies geht in beide Richtungen, beispielsweise durch Bildung oder Auflösung eines Investitionsabzugsbetrags für Investitionen in neue und gebrauchte Wirtschaftsgüter der nächsten 3 Jahre.

Die Krankenkassen akzeptieren in der Regel nur den aktuellen Einkommensteuerbescheid vom Finanzamt. In Ausnahmesituationen konnten wir aber schon erreichen, dass die Kassen mit anderen geeigneten Unterlagen z. B. BWA und einer Bestätigung durch unsere Kanzlei eine vorläufige Beitragsänderung umgesetzt haben. Nach Vorlage des noch folgenden Steuerbescheids wurde dann abgerechnet. Denken sie gerade hier an den Fall, dass das Finanzamt zwar alles hat, aber noch Zeit braucht für die Bearbeitung. Auf diese Bearbeitungsdauer haben wir und Sie keinen Einfluss. Oft fehlen z. B. die notwendigen Bescheinigungen für Zinsen oder Renten oder Daten wurden noch nicht elektronisch übermittelt.

Es lohnt also, den Jahresabschluss inkl. Steuererklärungen nicht nur für das Finanzamt zu erstellen und zu gestalten.

Prüfen Sie regelmäßig, ob Ihr derzeitiger Krankenversicherungsbeitrag noch zu Ihnen passt.

 
 

Artikel vom 14.06.2012, aktualisiert am 08.02.2017

Sprechen Sie uns im Rahmen der Jahresabschlusserstellung auf den Krankenversicherungs- beitrag an. Wir prüfen zusammen die gesetzlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Gerne geben wir Ihnen auch noch weitere Tipps zur Optimierung der Sonder-ausgaben, insbesondere der Krankenkassenbeiträge.


  • Klumpp, Arnold

    Arnold Klumpp

    Steuerberater
    Partner
    Fachberater für Vermögens- und Finanzplanung (DStV e. V.)

    Beratungsschwerpunkte

    • Finanz- und Vermögensplanung
    • Private Steuern
    • Betriebswirtschaftliche Beratung
    • Private und betriebliche Altersversorgung 
  • Fahrner, Jürgen

    Jürgen Fahrner

    Steuerberater
    Landwirtschaftliche Buchstelle
    Partner
    Fachberater für Vermögens- und Finanzplanung (DStV e. V.)

    Beratungsschwerpunkte

    • Betriebswirtschaftliche Beratung
    • Existenzgründung
    • Finanz- und Vermögensplanung
    • Vorsorge- und Notfallplanung
 
 
 
 
 

STANDORT LAHR

Schwarzwaldstraße 32
77933 Lahr
+49 (0) 7821/91 83 - 0
mlmlzr-kllgnd

STANDORT FREIBURG

Heinrich-von-Stephan-Straße 20
79100 Freiburg
+49 (0) 761/611 6479 - 0
frbrgmlzr-kllgnd

Focus Money - TOP Steuerberater
Deutscher Steuerberaterbund e.V. - Geprüftes Kanzleimanagemen
DQS - Zertifiziertes Managementsystem
 

© 2017 Melzer & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft GmbH & Co. KG

Steuer-News
Facebook
TIM
TIM
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen